Zum heutigen Sehbehindertentag möchte ich ein sehr persönliches Thema mit euch teilen: meinen Wechsel von Pad- und Kapselmaschinen zu einem Kaffeevollautomaten – als Blinder.

Kochen und Kaffee zuzubereiten gehören für viele von uns zum täglichen Alltag und zur Selbstständigkeit dazu. Deshalb passt dieses Thema besonders gut zum diesjährigen Motto des Sehbehindertentags „Kochen mit Sehbehinderung“.

Ich mag meinen Kaffee eigentlich ganz schlicht: ein Schuss Milch, sonst nichts. Gelegentlich darf es aber auch ein cremiger Latte Macchiato oder ein Cappuccino sein. Jahrelang waren Pad- und Kapselmaschinen für mich die beste Lösung – praktisch, schnell und vor allem nachvollziehbar. In meinen Testberichten zur Senseo und zur Tchibo Cafissimo Classic habe ich schon ausführlich erklärt, warum diese Systeme für mich als Blinder lange Zeit ideal waren. Doch irgendwann reichte „funktioniert gut“ nicht mehr aus. Der Kaffee machte wach – aber er begeisterte mich nicht länger.

Warum Vollautomaten für mich lange ein No-Go waren

Über Jahre hinweg waren Kaffeevollautomaten für mich ein rotes Tuch. Ich verband sie mit:

  • Touch-Oberflächen ohne jede taktile Orientierung
  • Verschachtelte Menüs auf einem Display
  • Komplizierte Reinigungsprogramme mit vielen Zwischenschritten
  • Kleinteile, die während der Pflege als Nicht-sehender Nutzer schwer zu unterscheiden sind

Für sehende Menschen klingt das vielleicht nach Komfort. Für mich klang es nach ständiger Unsicherheit. Ich wollte kein Gerät in der Küche, bei dem ich nie ganz sicher bin, ob alles richtig sitzt oder ob ich einen Schritt übersehen habe.

Die Senseo und Cafissimo waren in dieser Hinsicht unschlagbar: klarer Ablauf, fühlbare Tasten, reproduzierbare Bedienung ohne Überraschungen.

Die Stärken von Pad- und Kapselmaschinen – und wo ihre Grenzen liegen

Meine Pad- und Kapselmaschinen waren jahrelang absolut zuverlässig. Besonders wichtig für mich:

  • Klar fühlbare Tasten
  • Immer identischer Ablauf
  • Überschaubare, unkomplizierte Reinigung
  • Schnelle Zubereitung ohne großen Aufwand

Die Cafissimo brachte etwas mehr Geschmacksvielfalt und Druck als die Senseo-Pads, die wiederum mit maximaler Einfachheit punktete.

Trotzdem schlich sich mit der Zeit ein Gefühl ein: Der Kaffee war solide, aber selten wirklich gut. Egal welche Sorte oder Marke – intensiv, mild, Bio oder Limited Edition – geschmacklich blieb alles in einem ähnlichen Rahmen. Es fehlte die Tiefe, die Überraschung, das „Wow“.

Der Moment, der alles verändert hat

Nach einer dieser Nächte, in denen Schlaf eher ein Gerücht war, saß ich bei einem Freund in der Küche. Ohne große Worte stellte er mir eine Tasse hin. Noch bevor ich trank, stieg mir der Duft in die Nase – frisch, tief, warm und einladend. Der erste Schluck war eine Offenbarung: kräftig, aber nicht bitter, rund und vollmundig, ohne metallischen Beigeschmack oder diese stumpfe Note, die ich von Kapseln kannte. Das war kein „besserer Kapselkaffee“. Das war eine komplett andere Liga.

Die Maschine dahinter? Ein Kaffeevollautomat oder um es genau zu sagen die

So bediene ich die De’Longhi Magnifica komplett blind

Ich hatte ein kompliziertes Touch-Panel mit verschachtelten Menüs erwartet. Stattdessen fand ich eine übersichtliche Bedienblende mit klar abgegrenzten, fühlbaren Tasten in logischer Anordnung. Jede Taste hat eine eindeutige Funktion – kein Rätselraten. Besonders wichtig für mich:

  • Die Tasten sind taktil gut unterscheidbar und haben eine feste Position.
  • Die Maschine gibt klare akustische Rückmeldungen und Statussignale (Töne und unterschiedliche Blinkmuster der Leuchten, die ich über die Position und das Muster erkenne).
  • Die Kaffeestärke und -menge lassen sich über gut fühlbare Dreh- oder Wahlschalter einstellen, ohne durch Menüs zu navigieren.

Der größte Gamechanger ist die Reinigung:

Die Brühgruppe ist eine kompakte Einheit, die sich seitlich entnehmen lässt. Ich drücke die beiden roten Knöpfe gleichzeitig, ziehe die Einheit heraus, danach einfach unter fließendem Wasser abspülen. Beim hereinschieben rastet die Einheit nur in genau einer Position wieder ein. Kein „Sitzt das jetzt richtig?“-Gefühl. Fertig.

Auch der Kaffeesatzbehälter und die Abtropfschale sind stabil, klar greifbar und leicht zu entleeren. Was ich mir als kompliziert vorgestellt hatte, erwies sich in der Praxis als erstaunlich strukturiert und barrierefrei.

Warum Pad und Kapsel schließlich gehen durften

Der Abschied kam nicht sofort. Eine Weile standen beide Maschinen noch in der Küche bzw. im Büro – vertraut und bewährt. Doch nach einem weiteren Morgen mit zu wenig Schlaf griff ich zum gewohnten Pad-Kaffee. Er war okay. Einfach nur okay. In diesem Moment wurde mir klar: Mein Maßstab hatte sich verschoben. Wenn ich jeden Morgen Kaffee trinke – warum gebe ich mich dann mit „ganz okay“ zufrieden? Ich wollte nicht nur wach werden. Ich wollte genießen. Also bestellte ich die De’Longhi Magnifica.

Was sich seitdem im Alltag verändert hat

Ich trinke nicht mehr oder weniger Kaffee als früher, aber ich nehme ihn bewusster wahr. Der Duft frisch gemahlener Bohnen morgens ist inzwischen ein echtes Ritual. Die Konsistenz ist reproduzierbar, die Stärke lässt sich fein justieren und ich habe sogar das Gefühl, weniger Sauerei in der Küche zu haben als bei den Pad-Systemen. Der Wechsel war kein Sprung in die Hightech-Spielerei, sondern ein Schritt hin zu deutlich mehr Qualität – bei gleichbleibend guter Bedienbarkeit für mich als Blinder.

Fazit

Als Blinder hatte ich lange echte Angst vor Vollautomaten. Rückblickend war diese Angst größer als die tatsächliche Hürde. Pad- und Kapselmaschinen haben mir viele Jahre hervorragend gedient – sie waren zugänglich, zuverlässig und unkompliziert. Aber irgendwann wollte ich mehr als nur Funktion. Ich wollte echten Kaffeegenuss.

Gerade zum Sehbehindertentag. möchte ich sagen: Manchmal lohnt es sich, über die eigenen Ängste hinaus zu schauen. Barrierefreiheit muss nicht immer durch die einfachste Lösung bedient werden. An meinem Beispiel konnte ich erleben, wie ein komplexerer Ansatz zu mehr Lebensqualität geführt hat, ohne neue Probleme zu verursachen. Das Risiko besteht, aber ich möchte euch motivieren, es ebenso zu versuchen.

Und jetzt bist du dran:

Hast du auch schon Erfahrungen mit Kaffeevollautomaten gemacht? Bist du noch begeisterter Pad- oder Kapselmaschinen Nutzer? Welche Neuerungen stehen in deinem Alltag an? Schreibs mir gerne in die Kommentare, ich lese und antworte!

Transparenz-Hinweis

Dieser Beitrag enthält keine Kooperation, keine Affiliate-Links und keinen Rabatt. Weder Senseo, Tchibo Cafissimo noch die De’Longhi Magnifica haben bei mir angeklopft. Ich habe jede Maschine, jedes Pad, jede Kapsel und jede Bohne selbst bezahlt – inklusive Strom. Mein Konto fand den Umstieg nur mittelmäßig. Mein Geschmackssinn hingegen hat Standing Ovations gegeben.

Kommentare  
Hallo Stephan,

den Punkt mit der einrastenden Brühgruppe finde ich so wichtig, dass er eigentlich in jede Produktbeschreibung dieser Maschine gehören würde. Dieses „sitzt das jetzt richtig oder nicht?"-Gefühl kenne ich aus ganz anderen Alltagssituationen und es zermürbt einen auf Dauer mehr als die eigentliche Aufgabe. Dass das hier schlicht durch ein eindeutiges Einrasten gelöst ist, klingt banal, ist aber im Alltag ein echter Unterschied. Immer wieder wenn ich an einem Touch Herd stehe, denke ich mir: wie soll ein Mensch mit Seheinschränkungen hier zurecht kommen? Aber klar, diese Herausforderungen gibt es ja überall in der Küche.

Viele Grüße, Katja
Hallo Katja,
vielen Dank für deinen Kommentar!
Du triffst es genau auf den Punkt: Dieses ständige „Sitzt das jetzt richtig?“-Gefühl ist wirklich zermürbend und kostet auf Dauer viel Energie.
Genau deshalb war mir die einrastende Brühgruppe bei der De’Longhi so wichtig.
Es klingt tatsächlich banal, macht aber im Alltag einen riesigen Unterschied.
Deine Beobachtung mit dem Touch-Herd kenne ich nur zu gut, solche kleinen, aber feinen Hürden begegnen einem überall in der Küche.
Es zeigt wieder, wie
wichtig taktile und eindeutige Rückmeldungen sind.
Vielen Dank, dass du das so klar beschrieben hast.
LG
Stephan
Ich selbst bin absolut kein Kaffeetrinker... für mich schmeckt er immer unangenehm gleich, egal woher er kommt. Ich fand es trotzdem sehr interessant deinen Beitrag zu lesen - es zeigt einfach, wie schnell man Dinge für selbstverständlich nimmt, die für andere es eben nicht sind. Im Endeffekt freut es mich, dass du ab jetzt einen Kaffee gefunden hast der nicht nur okay, sondern gut ist.

LG,
Vici
Hi Vici,
vielen Dank für deinen Kommentar!
Das ist wirklich lustig – manche Menschen lieben Kaffee über alles, und andere finden ihn einfach nur „unangenehm gleich“.
Ich kann das total nachvollziehen.
Früher war Kaffee für mich auch eher Mittel zum Wachwerden, heute ist er ein echtes Genuss-Ritual geworden.
Schön, dass du den Beitrag trotzdem interessant fandest, besonders den Aspekt mit der Barrierefreiheit.
Genau das wollte ich rüberbringen: Wie schnell
man Dinge als selbstverständlich hinnimmt, die für andere alles andere als einfach sind.
Trinkst du stattdessen lieber Tee oder etwas ganz anderes am Morgen?

LG
Stephan
Du wirst lachen, Stephan! Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht eine Tasse Kaffee getrunken - wurde aber in der Ausbildung damals gezwungen, Kaffee für meine Chefs zu kochen! Ob der trinkbar war, kann dir allerdings nicht sagen!

Deshalb kenne ich mich mit Kaffeemaschinen und Kaffee-Vollautomaten so gar nicht aus! Aber wie du schon oft beschrieben hast, sind taktile und akustische Hinweise entscheidend! Ich finde, Designer solcher Geträte sollten da definitiv mehr Fokus drauf legen!

Schön, dass du mit deinem Gerät von Delonghi so gut in den Tag starten kannst!

Liebe Grüße
Jana
Hi Jana,
haha, das ist ja herrlich!
Ich kenne das selber nur zu gut, im ersten Lehrjahr musste ich auch für die Kollegen Kaffee kochen, obwohl ich selber noch
keinen getrunken hatte.
Mittlerweile kann ich mir ein Leben ohne Kaffee fast nicht mehr vorstellen, dafür schmeckt er mir einfach viel zu gut – vor allem aus der neuen Maschine!
Du hast absolut recht: taktile und akustische Rückmeldungen sind für viele Menschen der Schlüssel.
Deshalb war mir genau das bei der De’Longhi auch so wichtig.
Schön, dass du das genauso siehst.
Vielen Dank für deinen netten Kommentar!
LG
Stephan
Da haben wir ja was gemeinsam :) Ich war damals sehr verzweifelt in der Büroküche, aber beschwert hatte sich keiner! Dann wird mein Gebräu wohl nicht so schlimm gewesen sein!

Ich hab vergangene Woche erst von jemanden gehört, dass er ohne Kaffee nicht leben kann und will! Noch ein Grund, ihn nie zu probieren! Hihi!

Wieviele Tassen trinkst du denn am Tag?
Hi Jana,
haha, genau!
Zum Glück hat sich niemand beschwert – oder sie waren einfach höflich.
Auf die Frage: Ich trinke meist drei bis vier Tassen am Tag. Morgens eine große Tasse zum Start, und je nach Tag noch eine oder drei im Laufe des Vormittags/Nachmittags.
Mehr brauche ich zum Glück nicht, dafür schmeckt mir jede einzelne jetzt richtig gut.
LG
Stephan
Hallo Stephan,
ein richtig schöner und motivierender Beitrag! Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie man jahrelang bei den bewährten Pad-/Kapselmaschinen bleibt, weil sie einfach „sicher“ und nachvollziehbar sind. Deine Beschreibung der DeLonghi Magnifica hat mich echt neugierig gemacht – vor allem die taktile Bedienung
und die leicht entnehmbare Brühgruppe klingen für mich als sehbehinderten Nutzer richtig durchdacht.
Hast du die Maschine inzwischen auch schon mit unterschiedlichen Bohnensorten ausprobiert? Und wie verhält sie sich bei der Milchzubereitung (falls du
mal einen Latte machst)?
Ach ja, und eine Frage noch: Welche Kaffeemaschine verwendest du jetzt eigentlich im Büro?
Vielen Dank fürs Teilen und weiterhin viel Freude mit dem neuen Morgenritual!Tim
Hi Tim,
vielen Dank für deinen Kommentar, das freut mich sehr!
Es war mir wichtig zu zeigen, dass man auch als Blinder oder Sehbehinderter diesen Schritt wagen kann und dass die Angst davor oft größer ist als die tatsächlichen Hürden.
Zu deinen Fragen:
- Bohnensorten: Ja, ich habe schon ein paar verschiedene ausprobiert.
Ich merke schon deutliche Unterschiede, besonders bei Arabica-Mischungen mit höherem Anteil an hochwertigen Bohnen.
Ich bleibe nach einigen Tests eher bei mittlerer bis dunkler Röstung, das passt zu meinem Geschmack (kräftig, aber nicht zu bitter).
Die Maschine bringt das richtig gut raus.
- Milchzubereitung: Die Maschine hat tatsächlich einen Milchaufschäumer, allerdings nur eine Milchdüse. Da musste ich erst ein bisschen experimentieren,
bis ich den Trick raus hatte. Mittlerweile bekomme ich das recht gut hin, muss aber noch etwas üben, bis der Milchschaum so schön cremig wird wie im Café

- Im Büro: Da habe ich mittlerweile auch auf eine andere Maschine gewechselt. Eine Kapselmaschine und auch ein Vollautomat sind dort einfach nicht
das Richtige. Welche es stattdessen geworden ist, verrate ich aber in einem der nächsten Beiträge
Danke für die guten Fragen und weiterhin viel Freude beim Kaffee!
LG
Stephan
Hallo Stephan, deinen Bericht kann ich nur zu gut nachvollziehen! Ich kenne diesen Vollautomaten nicht, benutze aber selber seit ca. 8 Jahren einen Vollautomaten von Jura, den ich über die barrierefreie App sehr gut bedienen kann. Auch das Reinigen geht alleine gut. Wie es mit der Grundeinrichtung war, weiß ich nicht mehr, da mein sehender Mann diese gemacht hat. Bei der Z8 ist die Brühgruppe nicht rausnehmar, aber durch Pieptöne und App ist die Benutzung möglich. Sollte diese einmal nicht rechtzeitig upgedated werden (schon einmal geschehen) ist dann eine Bedienung nicht möglich. Aber bei einmal in 8 Jahren ist das für mich okay. LG Gaby
Hallo Gaby,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrungen!

Es ist spannend zu lesen, dass du bereits seit rund acht Jahren einen Jura-Vollautomaten nutzt und die Bedienung über die barrierefreie App für dich so gut funktioniert. Gerade solche Langzeiterfahrungen sind für andere Leserinnen und Leser sicher sehr hilfreich.

Dein Hinweis auf die fest verbaute Brühgruppe bei der Z8 und die Unterstützung durch Pieptöne und App zeigt, dass es unterschiedliche Wege gibt, einen Vollautomaten auch als blinde oder sehbehinderte Person selbstständig zu nutzen. Interessant finde ich auch deinen Hinweis auf die Updates. Dass es in acht Jahren nur einmal zu Problemen gekommen ist, spricht ja durchaus für die Zuverlässigkeit des Systems.

Bei meinem Wechsel auf den Vollautomaten war die möglichst selbstständige Bedienung ein wichtiges Kriterium. Deshalb freue ich mich immer über Erfahrungsberichte zu anderen Modellen und Herstellern.

Vielen Dank für deinen Beitrag und weiterhin viel Freude mit deiner Jura!

LG
Stephan
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